Man kann mich als bürgerliche Spießerin bezeichnen, aber ich liebe es, in einem schönen, vor allem sauberen Haus zu leben. An diese Grundregeln menschlichen Zusammenlebens haben sich sogar meine kleinen felligen Vierbeiner gewöhnt.


In meinem Alter will ich nicht mehr suchen, ich will einfach nur finden, das habe ich mir nach 25 Jahren Chaos mit meinen Kindern einfach verdient. Seitdem sie studien- bzw. berufsbedingt ausgezogen sind, brauchen mein Mann und ich auch keine Verstecke mehr zu bauen, alles liegt ordentlich an seinem Platz. So wie es sich gehört.


Wenn sich die Burschen anmelden, haben wir für die Dauer einer Zugfahrt Zeit, also eine knappe Stunde, die teuren Haarshampoos, Manschettenknöpfe oder unsere Cognacvorräte in Sicherheit zu bringen. Das genügt.


Vergangenes Wochenende kamen sie unangemeldet und in der Nacht. Sie haben unsere Verschlagenheit schon längstens durchschaut.


Als ich in der Früh aus dem Bett stieg, ahnte ich Böses. Ich tastete mich langsam durch die Zimmer meiner Burschen in Richtung Küche vor und konnte wie in alten Zeiten am Grad der Verwüstung und der Intensität des körpereigenen Bierdunstes die Promillehöhe bestimmen. Der eine hatte 1,5 und die anderen so um die 1,8 Promille im Blut. Die Anzahl der kreuz und quer in den Betten verteilten Körper – inklusive Hunde und Katzen – konnte ich nicht erkennen.


Der Kühlschrank war leergegessen, die Spirituosenvorräte um die Hälfte reduziert, überall kullerten verdreckte Socken mit dazu passendem Schuhwerk herum.


„Wie viele?“ fragte mich mein Mann, als er die Küche betrat.
„Schau auf den Handyturm und zähle!“ lachte ich ihn an.
Es war ein herrliches Wochenende. Laut, genussvoll und fröhlich. Pfeif´ auf Ordnung und Sauberkeit!

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