Mein Mann und ich machen es jedes Jahr, zumindest einmal. Nein, falsch geraten!

Es geht nicht um Sex, sondern ums Fasten.

Nach den Weihnachtsfeiertagen wird bei uns zu Hause gefastet und zwar nicht mit irgendwelchen extravaganten Rezepten aus Fernost, sondern, ganz einfach und unkompliziert aus dem Kühlschrank. Der Januar steht dabei ganz im Zeichen der guten Vorsätze: Abnehmen und dabei etwas gegen die Klimaerwärmung tun. Das heißt: Es darf nichts gekauft werden. Alles, was sich über Weihnachten und Neujahr im Kühlschrank angesammelt hat, wird verkocht. Nichts wird verschwendet oder landet im Müll! Meine Kochkünste und meine Kreativität werden dabei jedes Jahr auf eine harte Probe gestellt, mein Mann ist nämlich gnadenlos! Aber ich schaffe es, und er muss es dann essen.

So fabrizierte ich aus der sauren Milch eine wunderbare „Stohsuppe“, aus dem alten Käse eine Quiche Lorraine und aus dem im Kühlschrank vergessenen Reis einen Apfel-Reisauflauf. Ein eigenwilliger, aber interessanter Geschmack, wenn sich Zimt mit der süßlichen Stärke des bereits in flüssigem Aggregatszustand befindlichen Getreides vermengt. Man glaubt es nicht, zu welchen Verdauungs- und Abbauprozessen unser Körper fähig ist, Magen und Bauchspeicheldrüse sei Dank. Nur einmal, vergangenes Jahr mussten wir einen Arzt aufsuchen und unsere Rosskur unterbrechen. Grund war Übelkeit und starker Durchfall. Wir hatten die veganen Würstel unseres Sohnes verspeist, Ablaufdatum März des Vorjahres.

Die Vanillekipferln habe ich heute zu Brösel für einen Apfelstrudel verarbeitet, den alten Eierlikör aus 2015 werde ich meiner lieben Verwandtschaft zu Ostern servieren und für meine drei Weisen aus dem Morgenland gibt es nur eine Lösung: Entweder gleich essen oder einen Gugelhupf backen.