Aktuelles


Ein Zuckerl für AIDA

„Hast du gestern die phantastische Inszenierung der Aida bei den Salzburger Festspielen im Fernsehen gesehen?“ fragte ich meinen greisen Schwiegervater beim heutigen Mittagessen.
„Selbstverständlich!“ meinte er erhobenen Hauptes.

„Lüg doch nicht, du Kulturbanause“ lachte meine Schwiegermutter, „du bist wie üblich eingeschlafen!“
Meine Burschen schmunzelten. Großvater war ein Held. In unseren intellektuellen Kreisen bei Aida einzuschlafen, erschien ihnen ziemlich mutig, geradezu heldenhaft, wo sie doch mit klassischer Musik im Allgemeinen und mit Opern im Speziellen nichts anzufangen wissen.
Großvater rappelte sich vom Stuhl hoch und meinte trocken: „Macht doch nichts, Aida kann ich im Schlaf singen! Und auf eine Netrebko kann ich mit fünfundachtzig sowieso verzichten!“ Wir lachten.

„Ihr habt doch keine Ahnung, was einen Opernliebhaber ausmacht! Ich habe sie alle geliebt, alle!“ entrüstete er sich, „Ich war als Student jahrelang Statist an der Wiener Staatsoper, im Mai 1957 dann der Fächerträger von AIDA. Gesungen hat damals die bezaubernde Antonietta Stella, neben Franco Corelli und Giulietta Simionato. Aufgeregt ging sie hinter dem Vorhang auf und ab, dann kam ihr Auftritt. Sie hatte aber noch ein Lutschbonbon im Mund. Wohin damit? Sie spuckte es einfach auf den Bühnenboden. Und was machte ich, ihr Fächerträger? Ich hob es auf und lutschte es weiter, weil es ja von der Stella war. Sosehr liebte ich ihre Stimme! Das nennt man Liebe zur Oper! Nennt mich also nie wieder eine Kulturbanause!“

Wir schwiegen betreten. Ein Zuckerl von der Stella?! Ehrlich, der Mann ist ein Held.



Lesezeichen-Download
Mein neues Lesezeichen zum Download!