Endlich Ruhe!

Sterben für Anfänger – das Buch ist eine humorvoll-satirische Reise zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Himmel und Hölle, zwischen erotischen Nahtoderfahrungen und intriganten Erbschaftsstreitigkeiten und gibt tiefe und höchst amüsante Einblicke in die morbiden Abgründe der österreichischen Seele.

Satirische Bücher & Kabarettistische Lesungen

Humorvolle Unterhaltung auf hohem Niveau

Sterben für Anfänger ...

von Katharina Grabner-Hayden | Eine Hörprobe

Vom JA und NEIN sagen

Vom JA und NEIN sagen

So ein Kuraufenthalt soll ja prinzipiell allen etwas bringen. Dem Körper, weil er weniger Gewicht tragen muss, der Seele, weil sie wieder tief ein und ausatmen kann und schlussendlich der Sozialversicherung, weil ein gesunder Versicherter billiger ist als ein kranker. Logisch.

Ich füge mich dem Intensivprogramm und tue überall mit. Bei den morgendlichen Bauch und Po Übungen mit den Terrabändern, beim Ergometer Training oder bei den psychologischen Stunden.

Die sind mir ja am allerliebsten. Zumindest kannst du da in der letzten Reihe sitzen und herrlich schlafen. Weil, das alles irgendwie schon ziemlich langweilig ist, was die sanftmütige Psychologenstimme vorne am Katheder von sich gibt. Mir geht es zumindest so.

Besonders die Einheiten über das NEIN-Sagen-LERNEN wirken auf mich unrealistisch und naiv, weil das Leben eben manches Mal unberechenbar und verwunderlich ist. Rezepte für Leichtigkeit sind schwer gefunden.

Die liebe junge Psychologin hat aber offensichtlich eines, ein ganz gescheites:

„Nur wer sich selbst liebt“, meint sie, „kann auch NEIN sagen. Das ICH ist das JA und das DU kann auch ein NEIN ertragen. Wir üben das mit von sich weisenden Händen und atmen dabei ganz tief ein und aus, damit der Körper sich auch energetisch an das NEIN Sagen gewöhnt. Bei mir funktioniert das nicht. Das NEIN sagen würde nämlich mein soziales Gleichgewicht durcheinanderbringen. Kann ich NEIN sagen, wenn mein krankes Kind oder meine demente Mutter vor mir steht und aufs Klo muss? Ein NEIN hätte fatale Folgen. Und zwar nur für mich! Sie meint:

„JA, Sie können NEIN sagen!“

Ich sage: „NEIN! Ich muss JA sagen!“

Sie sagt: NEIN! Sie müssen NEIN sagen! Denn nur NEIN sagen hilft, sich selbst zu lieben!“

Ich sage: „Ich kann ja auch JA sagen und mich trotzdem lieben!“

Sie wirkt verwirrt und meint danach zögerlich „Irgendwie JA und irgendwie NEIN.“ Sicher keine tiefenpsychologische Erkenntnis, zumindest aber eine beruhigende, weil ich weiß, dass sie auch kein Rezept hat. So rutsche ich befriedigt die Lehne am Sessel herunter und widme mich voll und ganz meinem Schlaf. Und der soll ja besonders gesund sein.


Typisch österreichisch

Typisch österreichisch

Ich finde es immer wieder lustig, dass Österreicher und Deutsche die gleiche Sprache sprechen und sich trotzdem nicht verstehen.

So passiert vor einigen Tagen. Mein geliebter Mann und ich saßen beim Heurigen an der schönen Donau und genossen ein Glas Wein. Ein deutsches Urlauberpaar machte es uns gleich.

Unangenehm laut, zerstörte der deutsche Tourist das Idyll und brüllte über alle Köpfe hinweg im schönsten norddeutschen Dialekt: „He kleines Fräulein, oder wie immer das bei euch heißt, ne neue Flasche Wein, aber zack, zack!“ Dabei hielt er der Kellnerin sein halbleeres (ich könnte hier auch halbvoll schreiben, das entspräche aber nicht der österreichischen Seele) Glas entgegen.

Die Gespräche ringsum verstummten jäh. Seit einigen Wochen ist es nämlich in Österreich nicht ratsam und entspricht einem hohen Maß an politischer Unkultur, Aufforderungssätze mit einem „Zack-Zack“ zu verstärken. Schon gar nicht, wenn es sich um Alkohol oder andere Suchtmittel handelt. Wie die Kellnerin reagierte? Eben typisch österreichisch.

Beschwingt kam sie mit einer neuen Flasche Riesling an den Tisch geeilt, starrte zuerst das Glas, dann den Gast an, um ihm keck ins Gesicht zu schleudern:

„Leider, gnä Herr! Des geht net!“

„Warum denn nicht, gute Frau?“ monierte der nichtsahnende Mensch.

„Weil in erna Glasl no a Noagerl drin is. Do an Wein aufischenken bringt Unglück. Sieben Jahr ka Gspusi!“

„Wie bitte?“ fragte der Gast nach.

Die Kellnerin schaute ihm tief in die Augen und schenkte ihm sein Glas voll, „Mocht nix! Is eh g´scheiter so! Prost!“ Unverschämt ehrlich sein und trotzdem für freundlich gehalten werden, ist vielleicht wirklich typisch österreichisch.


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